Portrait: Göran Lehmann

Finanzierung verstehen, Versorgung gestalten

09.02.2026, Redaktion
Aktuelles

Ein Gespräch über Steuerung und Verantwortung

Seit über 25 Jahren arbeitet Göran Lehmann in unterschiedlichen Funktionen der gesetzlichen Krankenversicherung an der Steuerung der psychiatrischen Versorgung im stationären Bereich. Ruhig spricht er über die Themen, mit denen er sich seit Jahren beschäftigt. Dabei geht es nicht um abstrakte Modelle, sondern um die konkreten Auswirkungen auf Kliniken, Mitarbeitende und Patientinnen und Patienten.

Heute ist Lehmann Spezialist für Krankenhausfinanzierung in der Unternehmenszentrale der Techniker Krankenkasse. Dort beschäftigt er sich mit Fragen, die für das Management psychiatrischer Einrichtungen von zentraler Bedeutung sind. Finanzierung, ordnungspolitischer Rahmen und Entgeltsysteme sind für ihn keine isolierten Themen, sondern eng miteinander verbunden.

Finanzierung als strategischer Hebel

Lehmann hat einen klaren Blick auf die Rolle der Finanzierung. Entgeltsysteme steuern Verhalten. Sie beeinflussen, welche Leistungen erbracht werden, wie Personal eingesetzt wird und welche Versorgungsformen sich durchsetzen. In der Psychiatrie, wo Beziehungsarbeit, Kontinuität und multiprofessionelle Teams eine besondere Rolle spielen, sind diese Effekte besonders spürbar.

Innerhalb der TK begleitet Lehmann die Weiterentwicklung des ordnungspolitischen Rahmens und des Entgeltsystems. Zugleich ist er in die strategische Steuerung eingebunden. Er analysiert gesetzliche Reformen, bewertet ihre Folgen für die Versorgung und übersetzt politische Vorgaben in praktikable Steuerungsansätze. Seine Arbeit findet meist hinter den Kulissen statt, hat aber unmittelbare Wirkung auf den Handlungsspielraum psychiatrischer Einrichtungen.

Mindestpersonalausstattung und Selbstverwaltung

Ein zentrales Arbeitsfeld ist Lehmanns Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Personalausstattung in der Psychiatrie und Psychosomatik beim Gemeinsamen Bundesausschuss. In der AG PPP werden neue Vorgaben zur Mindestpersonalausstattung erarbeitet. Lehmann bringt dort seine langjährige Erfahrung aus der Krankenversicherung ein und wirkt an Regelungen mit, die tief in die Organisation psychiatrischer Kliniken eingreifen.

Er weiß um die Brisanz des Themas. Personalausstattung ist ein Schlüssel für Versorgungsqualität, zugleich aber eng mit Finanzierungsfragen verbunden. Lehmann beschreibt diese Arbeit als Balanceakt. Vorgaben müssen fachlich sinnvoll sein und zugleich realistisch umsetzbar bleiben. Für Klinikleitungen sind die Ergebnisse dieser Gremienarbeit von großer Bedeutung, denn sie bestimmen langfristig Strukturen und Kosten.

Modellvorhaben als Lernräume

Neben der Regelversorgung widmet sich Lehmann intensiv den Modellvorhaben nach § 64 b SGB V. Er begleitet diese Projekte von Beginn an und legt großen Wert auf die wissenschaftliche Evaluation. Für ihn sind Modellvorhaben Lernräume. Sie zeigen, wo bestehende Finanzierungslogiken an ihre Grenzen stoßen und welche Alternativen tragfähig sein könnten.

Auch im Bereich der Besonderen Versorgung treibt Lehmann neue Ansätze voran. Ein Beispiel ist das Modellvorhaben zur Erprobung der Hybrid DRG in Thüringen, an dessen Entwicklung er maßgeblich beteiligt war. Ebenso wichtig wie die Konzeption ist für ihn der Übergang in die Regelversorgung. Neue Modelle müssen sich im Alltag bewähren und langfristig integrierbar sein.

Langfristige Perspektive

Göran Lehmann denkt in Strukturen und Zeiträumen, die über einzelne Reformen hinausgehen. Finanzierung versteht er als Voraussetzung für gute Versorgung, nicht als Bremse. Seine Arbeit richtet sich darauf, Steuerungsinstrumente so zu gestalten, dass sie Qualität ermöglichen und wirtschaftliche Stabilität sichern.

Für das Management psychiatrischer Einrichtungen ist diese Perspektive besonders relevant. Lehmanns Wirken prägt Rahmenbedingungen, die Entscheidungen über Personal, Angebote und strategische Ausrichtung beeinflussen. Er selbst bleibt dabei im Hintergrund. Doch gerade in einem komplexen System wie der psychiatrischen Versorgung ist diese stille Gestaltungsarbeit von entscheidender Bedeutung.

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